3-Ländergiro Nauders

Sonntag, 28.6.15

Heute war der große Tag auf den ich seit längerer Zeit hintrainiert hatte. Es ist für mich immer schwierig, sich über einen so langen Zeitraum auf ein Datum zu fokussieren, denn immerhin sind seit der Anmeldung im August 2014 einige Monate vergangen. Aber ohne frühzeitige Anmeldung beim 3-Ländergiro in Nauders ist es nicht möglich einen Startplatz für die lange Strecke zu ergattern. In der Vergangenheit gab es Probleme beim Grenzübertritt in die Schweiz, da die Straßen nicht gesperrt sind. Aus diesem Grund ist die Teilnehmerzahl auf 1.500 pro Strecke limitiert.

Bereits um kurz vor 5 Uhr klingelte der Wecker. Ich war auch ziemlich froh endlich aufstehen zu dürfen, da die nacht ziemlich unruhig war. Um kurz nach 5 Uhr saßen wir bereits beim Frühstück, so dass kein Zeitdruck aufkam. Da der Alpenhof nur ca. 200 Meter von der Startlinie entfernt liegt, konnten wir uns auch genügend Zeit zum fertigmachen lassen. Es war bereits 13 Grad warm, so dass ich nur die Armlinge anzog. Die Windjacke wurde direkt ins Trikot verbannt. Um kurz nach 6 Uhr saß ich auf dem Rad und reihte mich in die Startaufstellung ein. Unglaublich wie viele Fahrer schon da standen und dem Start entgegenfieberten…

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Punkt 6:30 Uhr wurde dann der Start freigegeben und es dauert knapp 2 Minuten bis ich über die Startlinie rollte. Von Nauders ging es nun im großen Fahrerfeld über den Reschenpass in Richtung Reschensee. Da der Start in Nauders bereits auf ca. 1350 Meter liegt, mussten auf den ersten Kilometern bis zur italinischen Grenze nur 150 Höhenmeter überwunden werden. Aus diesem Grund war das Tempo auch ziemlich hoch. Nach ca. 30 Minuten hatten wir den Reschensee passiert und von hier aus ging es nun erst einmal fast 600 Höhenmeter bergab in Richtung Prad. Bei starken Seitenwindböen in den weiten Kehren hinunter nach Glurns musste man sich teilweise ziemlich gegen den Wind lehnen. Da das Fahrerfeld zu diesem Zeitpunkt aber schon recht weit auseinander gezogen war, hatte jeder genügend Platz.

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Ab Glurns formierte sich eine gut funktionierende Gruppe mit der wir schnell bis Prad vorankamen. Der tiefste Punkt der Strecke lag mit 900 MüNN kurz vor Prad. Hier hielten viele Fahrer an, um sich der Windjacken zu entledigen. Da ich ohne gestartet war, brauchte ich nur die Armlinge hinunterschieben und verlor so keine Zeit. Insgesamt lief es auch ziemlich gut. Bis zum Anstieg zum Stilfser Joch waren nach 36 Kilometern erst 55 Minuten vergangen. Jetzt hieß es 1800 Höhenmeter über die nächsten 24 Kilometer zu überwinden! Die ersten 10 Kilometer und 600 Höhenmeter bis Trafoi gingen gleichmäßig bergauf und ich fand gut in den Tritt.

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Die Kontrolle in Trafoi ließ ich aus. Es war noch genügend zu trinken in den Flaschen. Hinter Trafoi begannen dann die berühmten Kehren hinauf zur Kuppe und das Schild mit der Nummer 48 zeigte uns allen auf, was uns nun bis zum Gipfel erwartet.

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Ich benötige knapp 2 Stunden für die Auffahrt ab Prad und kam so unter 3 Stunden liegend auf dem Gipfel auf 2750 Metern an. Die ersten 60 Kilometer mit knapp 2000 Höhenmetern lagen nun hinter mir. Ich legte eine kurze Pause ein, um die Windjacke für die Abfahrt über den Umbrailpass anzuziehen. Auf den nächsten 20 Kilometern verloren wir nun knapp 1300 Höhenmeter. Die Strecke war anspruchsvoll und ich hatte die Hände fast ständig an den Bremsen, aber ich wurde nur selten überholt.

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Santa Maria war nach 3:22 Stunden erreicht. Hier machte ich dann meinen ersten richtigen Stopp, zog meine Windjacke aus und füllte meine Flaschen wieder auf. Mittlerweile war es auch ziemlich warm, zumal wir nun den Südhang des Ofenpasses hinauffahren mussten. Die Kuppe war nach 92 Kilometern auf einer Höhe von 2150 Metern erreicht. Die Fahrtzeit betrug bis hierhin 4:20 Stunden.

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Über die nächsten 12 Kilometer verloren wir wieder 400 Höhenmeter. Das Profil ließ aber nicht viel Zeit zum Ausruhen und der folgende Gegenanstieg über 200 Höhenmeter tat auch bereits ein wenig in den Beinen weh. Aber die meisten Höhenmeter waren überstanden. In Richtung Schweizer Grenze ins Engadin ging es nun stetig bergab. Nach 115 Kilometern mussten wir die Innenstadt von Zernetz passieren und an einer roten Ampel warten. Mit zwei Niederländern konnte ich ein gutes Tempo halten und so fuhren wir hinter Zernetz auf eine größere Gruppe auf. Auf den nächsten 20 Kilometern funktionierte die Gruppe auch sehr gut und bis nach Sush konnten wir ein gutes Tempo halten. Unterwegs mussten wir einige Baustellen passieren, aber zum Glück mussten wir nur bei einer einzigen Baustellen-Ampel anhalten. Da bei Nichteinhaltung mit Disqualifikation gedroht wurde, hielten sich alle ausnahmslos dran. Auch ich beteiligte mich häufig an der Führungsarbeit. Auf den letzten 25 Kilometern begannen leider die Taktikspielchen und nur noch wenige Fahrer beteiligten sich an der Führungsarbeit, wodurch wir sicher die ein oder andere Minute verloren.

Hinter Martina auf 1050 Metern passierten wir dann nach knapp 160 Kilometern wieder die Grenze nach Österreich. Jetzt lag „nur“ noch die Norbertshöhe mit einem Anstieg von 350 Höhenmetern vor uns. Die Gruppe zerfiel am Anstieg. Einige der „Taktiker“ konnten nun an mir vorbeiziehen, aber auch ich hatte noch einige Reserven für den letzten Anstieg gespart, so dass auch ich den ein oder anderen vor mir liegenden Fahrer überholen konnte. Auf der Kuppe angekommen wunderte ich mich ein wenig über die Angabe der Höhenmeter, da die Veranstaltung eigentlich mit 3100 Höhenmetern beworben wird und auf meinem Garmin über 3500 Höhenmeter angezeigt wurden. Aber egal! nun war es geschafft. Von der Kuppe der Norbertshöhe ging es bis nach Nauders nur noch bergab. Für einen Sportografen legte ich mich noch einmal windschnittig über den Vorbau und passierte nach einer Bruttozeit von 6:37:48 den Zielbogen in Nauders.

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Unglaublich! Mit einer solchen Zeit hätte ich nicht gerechnet! Immerhin blieb ich damit in der Cupwertung (3LG und Gletscherkaiser addiert) weiter unter 10 Stunden.

Kurz nach dem Zieleinlauf erfuhr ich dann schon meine Platzierung:

  • In der Gesamtwertung konnte ich Platz 260 von 1200 gewerteten Teilnehmern erreichen.
  • In meiner Altersklasse (Herren III – 1966-1975) wurde ich 102. von 441 Teilnehmern.
  • In der Cupwertung erreichte ich „nur“ den 21. Rang von 30 Teilnehmern mit einem Gesamtrückstand von 01:56:39 auf den Sieger. Die Teilnehmer am Cup kamen aber ausnahmslos aus dem „alpenländischen“ Raum 😉
    • Gletscherkaiser: 2:42:29
    • 3-Ländergiro: 06:37:48
    • Gesamtzeit: 09:20:17

Nachdem ich meinen Transponder abgegeben hatte, fuhr ich zum Alpenhof, duschte und ruhte mich ein wenig aus. Tobias kam in einer starken Zeit von 7:56 Stunden ins Ziel und blieb so knapp 1 Stunde unter seinem gesetzten Limit. Um kurz vor 17.00 Uhr gingen wir dann zur Siegerehrung zurück ins Festzelt.

Ja und dann war das Abenteuer Nauders auch schon fast zu Ende. Nach dem Abendessen fingen wir an unsere Sachen zu packen, um am Montag nach dem Frühstück die Heimreise anzutreten.

Leider haben sich die Veranstalter dazu entschieden, die beiden Veranstaltungen nicht mehr gemeinsam durchzuführen. Die Anmeldezahlen für den Kaunertaler Gletscherkaiser waren wahrscheinlich zu niedrig, so dass nun beide Veranstaltungen auf einen Sonntag ausgetragen werden. Damit ist eine erneute Teilnahme eher unwahrscheinlich…

PS: Danke für die Bilder an Tobias und Sportograf.

https://connect.garmin.com/modern/activity/817256264

Distanz: 165.05 km
Brutto Zeit:
6:37:48 h:m:s
Netto Zeit: 6:31:31 h:m:s
Ø Geschw: 25.3 km/h
Max. Geschw.: 83.0 km/h
Ø HF: 148 bpm
Ø Trittfrequenz (Fahrrad): 76 1/min
Max. Trittfrequenz (Fahrrad): 122 1/min
Positiver Höhenunterschied: 3,517 m
Max. positiver Höhenunterschied: 3,517 m
Kalorien: 3,831 cal
Max. Leistung: 854 W
Ø Leistung: 233 W

 

Ein Kommentar zu “3-Ländergiro Nauders

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