Leistungsdiagnose bei JC Leistungsdiagnostik in Göttingen

Um das bevorstehende Trainingslager auf Mallorca so effektiv wie möglich nutzen zu können und damit die Investition in die Leistungsmesskurbel auch einen gewissen Sinn macht, habe ich mich entschlossen, nach 2011 eine Leistungsdiagnose durchzuführen. Dank der Kurbel werde ich mit den neuen Ergebnissen hoffentlich effektiver trainieren können. Der Zeitaufwand darf das letztjährige keinesfalls übersteigen…

Um 18.00 Uhr war ich bei JC Leistungsdiagnostik in Göttingen angemeldet und Jens erwartete mich bereits. Nach kurzer Begrüßung zog ich mich um und er montierte mein Rad auf dem Cyclus2-Prüfstand. Ich erzählte ihm kurz von der Leistungsmesskurbel und dass ich gerne einen Vergleich mit dem Prüfstand durchführen würde. Alles kein Problem…

Nach einem ausführlichen Gespräch über mein Training im letzten Jahr, meinen Kniebeschwerden zum Ende der Saison und meinen Zielen für die kommende Saison ging es dann mit Wiegen und Vermessen los. Zuerst wurde das Görpergewicht und das Körperfett bestimmt. Mit 80,6 Kilogramm bin ich zur Zeit recht schwer, da mein Körperfett jedoch bei einem gutem Wert von 11,4 % liegt, kann ich für die Jahreszeit gut damit leben. Da ich mich für einen Test mit Laktatmessung und Spirometrie entschieden habe, wurde vor der eigentlichen LD noch ein Lungenfunktionstest und eine Blutdruckmessung durchgeführt.

Die Leistungsdiagnose wurde nach dem Standard-BDR-Verfahren „100/3/20“ durchgeführt. Das bedeutet, dass nach einem 10-minütigen Warmfahren mit einem konstantem Widerstand von 100 Watt begonnen wird und der Widerstand dann alle 3 Minuten um 20 Watt bis zum Abbruch gesteigert wird. Dazu legt man sich zu Beginn auf eine Trittfrequenz fest, die während der Diagnose nur leicht über- oder unterschritten werden darf. Alle 3 Minuten kurz vor Ende jeder Leistungsstufe folgt eine Laktatmessung. Dazu wird das Ohrläppchen angestochen. Jens klärte mich im Vorfeld darüber auf, dass es durch die vielen Messungen am nächsten Tag zu einem blauen Ohrlöppchen kommen könnte, da mit der Steigerung der Intensität das Blut in die Beine fließt und er entsprechend fest drücken müsse. Außerdem sollte ich vor Ende jeder Leistungsstufe eine Puls- und Belastungseinschätzung nach Borgskala abgeben. Diese Skala teilt körperliche Belastung von 6 = keine Belastung bis 20 = maximale Belastung ein. Auf dem Leistungsmesser war die Herzfrequenz abgeklebt, so dass ich gespannt war, wie gut ich meinen Puls einschätzen kann.

Warmfahren: Direkt vor dem Start machte Jens die erste Laktatmessung. Bei mir gab es keine Probleme Blut aus dem Ohr zu bekommen. Ganz im Gegenteil; das Blut suppte regelrecht aus dem linken Ohrläppchen und verteilte sich über das Trikot, den Oberarm und den Boden. Und während ich mich warmfuhr, war Jens damit beschäftigt, den Blutfluss zu stoppen…

100 Watt: Nachdem das Blut gestoppt war, konnte ich mich auf Radfahren konzentrieren. Locker pedallierend bei 85 Umdrehungen keine große Anstrengung. Pulsschätzung: 105, Belastungsschätzung: Borg 8.

120 Watt: Auch bei 120 Watt keine nennenswerte Anstrengung zu spüren. Pulsschätzung: 113, Belastungsschätzung: Borg 9.

140 Watt: Immer schön weitertreten. Keine besonderen Vorkommnisse. Pulsschätzung: 118, Belastungsschätzung: Borg 11.

160 Watt: Die erste Blutdruckmessung während der Leistungsdiagnose ergab mit 140 zu 85 keine ungewöhnlichen Ergebnisse. Pulsschätzung: 125, Belastungsschätzung: Borg 12.

180 Watt: So langsam wurde es anstrengend. Da immer die gleiche Trittfrequenz gefordert ist und man nur leicht variieren darf, empfand ich die Fahrt anstrengender als auf der Rolle oder gar in der freien Natur … Pulsschätzung: 132, Belastungsschätzung: Borg 13.

200 Watt: Die Leistung, die ich zu Hause häufiger über 60 Minuten auf der Rolle kurbele. Aber mit Musik und ein wenig Rhytmus im Ohr doch um ein vielfaches einfacher, als unter Laborbedingungen… Die nächste Kontrolle des Blutdrucks lag mit 150 zu 75 wieder im grünen Bereich. Pulsschätzung: 145, Belastungsschätzung: Borg 15.

2014-02-13_Leistungsdiagnose

220 Watt: Mit steigender Belastung fiel mir die Atmung durch die Nase unter der Maske immer schwerer. Zwischenzeitlich musste ich Jens bitten, die Gurte ein wenig fester zu ziehen, um die Atmung durch die Nase wieder zu verbessern. Pulsschätzung: 155, Belastungsschätzung: Borg 16.

240 Watt: Die Beine begannen langsam zu brennen, aber alles im erträglichen Bereich. Ich machte mir ein wenig Sorgen über mein Knie, aber es lief erstaunlich gut. Die Blutdruckmessung ergab mit 160 zu 80 zufriedenstellende Werte. Pulsschätzung: 166, Belastungsschätzung: Borg 18.

260 Watt: Ich bat um Frischluft. Jens öffnete ein Fenster und schaltete den Ventilator vor meiner Nase an. Das Belastungsgefühl tendierte bereits in Richtung Borg 18 und einen geschätzten Pulsbereich von 172, aber noch immer war die Atmung recht gleichmäßig und tief.

280 Watt: Mit jeder weiteren Belastungserhöhung wurden die Beine schwerer und die Atmung flacher. So langsam setzte der Kampf gegen den Schweinehund ein. Jens munterte mich auf, dass ich noch nicht komplett ausgelastet sei. Damit war klar, dass ich noch können müsste… Aber es wurde immer schwerer die Trittfrequenz von 85 Umdrehungen in der Minute zu halten. Blutdruck: 165 zu 75. Pulsschätzung: 175, Belastungsschätzung: Borg 19.

300 Watt: Die Atmung wurde schneller und flacher. So langsam nervte mich die doofe Maske, aber es konnte nicht mehr lange dauern. Bei jedem Blick auf die Uhr waren wieder nur ein paar Sekunden verstrichen. Aber auch diese 3 Minuten bekam ich rum. Aber Jens bestätigte mir bereits meinen Eindruck, voll ausgelastet zu sein. Pulsschätzung: 182, Belastungsschätzung: Borg 19,5 😉

320 Watt: Entsprechen ca. 4 Watt/kg. Ich musste kämpfen und Jens bereitete alles für den Abbruch vor. Ich schaute wieder auf die Uhr und hechelte nach Luft. Die Sekunden verstrichen immer langsamer. Nach zwei endlosen Minuten dann der Abbruch. Ich weiß nicht, ob ich mich noch irgendwie über die letzte Minute hätte retten können, aber ich war heilfroh, dass es endlich vorbei war. Pulsschätzung: 185, Belastungsschätzung: Borg 20.

Erholung: Über die nächsten 5 Minuten beobachtete Jens meine Erholungsfähigkeit und maß nach 5 Minuten das letzte Mal den Laktatwert.

Ich war klitschnass geschwitzt und froh vom Rad absteigen zu können. Die ersten Ergebnisse überraschten mich positiv. Mit einer maximalen Herzfrequenz von 187 hatte ich überhaupt nicht gerechnet, habe ich es doch zu Hause nur noch auf knapp 180 geschafft, wenn ich mich alleine „richtig gequält“ hatte. Mit einer Leistung von etwas über 3,9 W/kg hatte ich auch nicht gerechnet und so war ich schon ziemlich froh, wie gut es heute gelaufen war. Dann äußerte er sich auch noch einmal sehr positiv über die Genauigkeit der Quarq ELSA Leistungsmesskurbel. Damit wühlte ich mich bestätigt, in das richtige System investiert zu haben.

Während ich duschen ging, baute Jens mein Rad wieder zusammen. Danach sprachen wir die groben Ergebnisse durch und wir machten einen Termin zur Besprechung der Saisonplanung. Er sagte mir zu, die Ergebnisse bis Mitte kommende Woche zuzuschicken. Ich bin schon ganz gespannt.

Ein Kommentar zu “Leistungsdiagnose bei JC Leistungsdiagnostik in Göttingen

  1. Pingback: Die Ergebnisse von der Leistungsdiagnose sind da :-) | project20

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