15. Südharz-Marathon mit Sternfahrt – 264 KM, 2465 HM

Es ist 5:20 Uhr. Ich stehe auf, bevor der Wecker die Chance zum klingeln bekommt, denn ich liege schon seit mehr als einer halben Stunde wach. Es muss ja nicht jeder wach werden, nur weil ich heute „wahnsinniges“ vor habe… Ich bin nervös, denn eigentlich fühle ich mich nicht so, als ob ich wirklich eine so lange Strecke durchstehen werde.
Nachdem das Kaffeewaser angestellt ist, mache ich mich im Bad fertig. Draußen ist es noch stockdunkel. Um kurz nach halb 6 frühstücke ich mein obligatorisches Müsli und mache meine Flaschen fertig. Um kurz vor 6 heißt es dann fertig anziehen und runter zum Rad. Hoffentlich habe ich keinen schleichenden Plattfuß vorne. Gestern abend fehlten plötzlich 2 bar.
Zum Glück ist der Reifen noch voll. Es dämmert und um 6:05 Uhr sitze ich bei „frostigen“ 6 °C auf meinem Rennrad, um zum vereinbarten Treffpunkt nach Osterode zu fahren. Schon jetzt weiß ich, dass die Entscheidung mit Arm- und Beinlingen zu starten, die richtige sein wird. Glücklicherweise hat sich Matthias dazu bereits erklärt, mich zu begleiten. Matthias fährt regelmäßig bei unseren Mittwochs-Trainings mit (obwohl er kein TG-Mitglied ist. Los Matthias, gib Dir einen Ruck ;-)).
Ich rolle gemütlich in Richtung Badenhausen, sicherheitshalber mit Licht. Der Mond über dem Westerhöfer Wald versucht, sich nicht durch den herannahenden Tag vertreiben zu lassen, während ein phantastisches Morgenrot über Osterode glüht. Eigentlich müsste man sich alleine deswegen öfter so früh morgens aus dem Bett quälen…
Um 6:30 Uhr treffe ich nach gemütlicher Fahrt in Osterode ein. Es dauert keine 2 Minuten, bis Matthias auch ankommt. Bei der Begrüßung stellt er fest, dass Beinlinge eine gute Idee gewesen wären, denn er fährt kurz/kurz nur mit Windjacke. So setzen wir uns langsam in Richtung Bad Lauterberg in Bewegung. Die Stadt ist noch menschenleer und auf dem Weg nach Herzberg begegnen wir nur sehr wenigen Autos. Wir „bibbern vor uns hin und kommen gegen 7:25 Uhr in Bad Lauterberg an. An der Anmeldung ist es leer, keine Menschenschlangen wie in Goslar oder Bad Harzburg. So bleibt uns nach der Anmeldung noch ein wenig Zeit, so dass wir uns in Ruhe auf den Start vorbereiten. Nachdem die Startnummer am Rad montiert ist, gehen wir noch ein wenig rein, da wir beide frieren.
Um kurz vor 8 Uhr radeln wir zum gegenüberliegenden Supermarkt, wo der Start erfolgt. Der Bürgermeister hält eine kurze Ansprache und wünscht uns eine gute Fahrt. Das Marathonfeld ist mit 35 Startern recht übersichtlich. Im letzten Jahr gingen wohl ca. 90 Marathonis an den Start. Der Start erfolgt um kurz nach 8 Uhr über den Butterberg in Richtung Osterhagen. Das Feld zieht sich direkt auseinander. Matthias und ich halten mit, wollen aber unser eigenes Tempo fahren. In Osterhagen sind die Bahnschranken runter und so können wir zum Hauptfeld aufschließen.
Weiter geht es in Richtung Walkenried. In Woffleben erreichen wir nach zügiger Fahrt die erste Kontrolle. Wir haben noch nicht ganz den Stempel auf der Wertungskarte und uns eine Banane gesichert, da fahren einige bereits wieder los. Klar, dass denen nach 30 Kilometern noch nicht nach Pause ist. So geht es mit der Banane in der Hand hinter der Gruppe her. In Ellrich sind wir endlich wieder dran. Es ist ziemlich schwer an eine 30er Gruppe zu Zweit heranzukommen. Hinter Zorge entscheiden wir uns, dass es nun Zeit für unser eigenes Tempo wird. So lassen wir die Gruppe ziehen und werden auch nur noch vereinzelt auf andere Marathonis treffen.
Wir befahren eine sehr einsame Straße. Wir werden nur von einem einzigen Auto passiert. So macht Radfahren Spass. Man muss sich nicht auf vorbeidonnernde Autos oder Motorräder konzentrieren, sondern kann die tolle Landschaft genießen. Es geht so langsam bergan und wir kommen unter unseren Windjacken ganz schön ins Schwitzen. Wir entledigen uns der Jacken, bevor es weiter bergan in Richtung zweiter Kontrolle am „Nullpunkt“ geht.
Der Nullpunkt war vermutlich Ausgangspunkt für Vermessungsarbeiten, als ab 1864 die jetzige Straße von Zorge nach Braunlage gebaut wurde.
Mit 603 m üNN ist hier der höchste Punkt dieser Straße. Zugleich ist hier die Wasserscheide zwischen dem Nordharz (Brunnenbach – Bode) und dem Südharz (Zorge – Helme).
Quelle: Dennert Tanne, Tafel 63
Oben angekommen, machen wir eine kurze Pause, bei der wir von 2 weiteren Marathon-Teilnehmern passiert werden. Nun geht es erst einmal bergab und ich bereue ein wenig, mich am Nullpunkt   meiner Armlinge und Beinlinge entledigt zu haben. Die folgende Abfahrt ist doch recht frisch. Es dauert aber nicht lange, da geht es in Richtung Hohegeiß schon wieder mächtig bergauf. Leider befinden wir uns nun auf der vielbefahrenen B4. Glücklicherweise verlassen wir die B4 in Hohegeiß und eine ziemlich schnelle Abfahrt bringt uns schnell über eine weniger befahrene Straße nach Benneckenstein und im weiteren Verlauf nach Tanne. Ab Tanne müssen wir leider über die B242 fahren und bekommen die volle „Breitseite des Sonntagsverkehrs“ ab. Bis Hasselfelde donnern die Motorräder und massenweise Ami-Jeeps an uns vorbei. Ab Hasselfelde kommen wir erst einmal vom „Regen in die Traufe“, da wir hier zwar die B242 verlassen dürfen, aber auf die B81 abbiegen…
Wir passieren die Westernstadt Pullman City und müssen noch bis zum Pumpspeicherbecken von Wendefurth aushalten, bevor wir endlich von der Bundsstraße runterkommen. Die Fahrt geht weiter vorbei an der Rappbodetalsperre, der größten Talsperre des Harzes mit der höchsten Staumauer Deutschlands. Leider merkt man auch hier am Verkehr, dass die Talsperre ein beliebtes Ausflugziel ist (http://de.wikipedia.org/wiki/Rappbode-Talsperre). Direkt hinter einem Tunnel an der Talsperre ist die nächste Kontrolle aufgebaut. An der Ausfahrt eines vielbefahrenen Parkplatzes, erhalten wir die Standardverpflegung: Bananen und Kekse. So halten wir uns nicht lange auf, und radeln weiter in Richtung Rübeland. Von hieraus geht es immer weiter bergauf, bis zur nächsten Kontrolle in Drei-Annen-Hohne. Die warme Verpflegung (Nudeln mit Tomatensauce) tut gut. Wir lassen uns an der Kontrolle Zeit und erfahren, dass bereits 30 Marathonis durch sind. Das bedeutet, dass wir zu den letzten gehören… Unser gestecktes Ziel lautet ja nur ankommen! Nach einer knappen halben Stunde setzen wir uns so langsam wieder in Bewegung. Matthias ist ziemlich KO und dankbar, dass ich an den Bergen auf ihn warte. Wir sind zusammen gestartet und werden auch zusammen am Ziel ankommen!
Ab Drei-Annen-Hohne können wir unsere vollen Bäuche erst einmal ein wenig rollen lassen. Ein kurzer Anstieg, bevor eine knackige Fahrt bergab die höchste Geschwindigkeit des Tages mit knapp 80 km/h bringt. Später werde ich darüber noch nachdenken….
Nach 143 Kilometern beginnt der harte Teil dieser Tour. Für die nächsten 17 Kilometer geht es eigentlich nur noch bergauf. Von Elend auf 500 hm geht es über Braunlage bis zum Sonnenberg auf 830 Höhenmeter. Eigentlich kein Problem aber nach 160 Kilometern weiß man, was man getan hat und ist froh, über den weiteren Streckenverlauf. Es heißt von hier aus, bis auf ein paar kleine „Erhöhungen“ nur noch runter. In den nächsten 7 Kilometern, verlieren wir 370 Höhenmeter und passieren mit ca. 60 km/h St. Andreasberg und damit auch die steilste Abfahrt mit über 15% Gefälle.
Zum Sieberrücken überwinden wir in knapp 1,5 Kilometern noch einmal 80 Höhenmeter, bevor die Abfahrt talwärts weitergeht. Die eng zuziehenden Kurven, verlangen noch einmal Konzentration, bevor es an der Einfahrt zur Schluft heißt, noch einmal richtig Tempo bis nach Sieber zur fünften Kontrolle zu machen. In Sieber angekommen, werden wir von drei netten älteren Herrschaften begrüßt. Sie fragen uns, ob wir die letzten Teilnehmer wären. Wir sind „stolz“, dass wir es nicht sind… Es stehen bereits 175 Kilometer auf dem Garmin. Leider erfahren wir auch, dass es einen schweren Sturz während der Abfahrt vom Sieberrücken gab. Einem 72-jährigen RTF-Teilnehmer, brach auf Grund eines Materialfehlers eine Speiche. Er stürzte schwer und wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. Das Rad wurde von der Polizei in Gewahrsam genommen. Hoffentlich geht es dem Fahrer den Umständen entsprechend gut!!!

Nach dieser Neuigkeit, fahren wir ein wenig verhalten los. Aber wir wollen nur noch ankommen, schließlich liegen noch knapp 90 Kilometer vor uns! Weiter geht es bergab nach Herzberg und nach Aschenhütte. Die Blase drückt und so muß ich eine kleine Pipi-Pause machen. Dabei drücke ich wohl versehentlich auf Stop und fahre die nächsten 13 Kilometer ohne Zeit- und Kilometermessung, bis ich kurz vor Wulften endlich merke, dass der Kilometerstand noch immer auf knapp 185 steht. ARRGGGHHHH! Dabei wären es bereits 198 Kilometer gewesen… Egal nicht zu ändern; wird zu Hause korrigiert! Ab Sieber bewegen wir uns eigentlich immer zwischen 30 und 40 km/h, so dass der Schnitt insgesamt wohl ein wenig höher ausgefallen wäre. Ab Wulften geht es über Gieboldehausen bis nach Wollershausen zur letzten Kontrolle weiter.

Der letzte Berg der Marathon-Strecke, den man nach den hinter uns liegenden 2350 Höhenmetern aber nur als „Pickel“ bezeichnen darf, ist dann in Rhumspringe zu bewältigen. Mit Gegenwind fahren wir dann durch Pöhlde, Scharzfeld und Barbis zum Etappenziel in Bad Lauterberg. Nach genau 200 Marathon-Kilometern und insgesamt 232 Tageskilometern (inkl der 13 „verlorenen“), sind wir froh, angekommen zu sein. Wir geben die Startnummern wieder ab und erhalten noch unsere „Medaille“. Leider sind die aktuellen bereits vergriffen. Wir erhalten dann eine Vorjahres-Medaille mit einem Aufkleber mit den aktuellen RTF-Daten; besser als garnichts…
Nach kurzer Pause, starten wir dann auf die finalen 32 Kilometer nach Hause. Der Hintern dankt jede Sekunde ohne „Sattelkontakt“. In Osterode entscheidet sich der „wiedererstarkte“ Matthias, mich noch ein wenig in Richtung Förste zu begleiten, damit auch er über 250 Tageskilometer zählen darf.
Überglücklich, diese Tour mit reiner Muskelkraft hinter mich gebracht zu haben, komme ich nach 11:37 Stunden nach Start des Garmins wieder in Förste an. Schade ist, dass bei diesem tollen Wetter nur insgesamt 142 Teilnehmer an den gut organisierten Touren teilgenommen haben. Herzlichen Dank für die Mühen und die freundlichen Leute an den Verpflegungsstationen!

Rekorde: Insgesamt Sportart Bereich

Trainingsbeginn: 06:05:17 Uhr

Trainingsdauer: 09:36:32 Std.

Herzfrequenz: 145 (78%) / 175 (94%) bpm

Training Impulse: 83597 (?)

Distanz: 263.87 km

Geschwindigkeit: 27.5 / 78.1 km/h

Pace: 2:10/km / 0:46/km (?)

Höhenmeter: 2465 m

Trainingsgefühl: sehr hart (7 / 10)

Kalorien: 5625 kCal

Sportart: Rennrad »

Bereich: Ausdauertraining »

Wetter: Sonnig, heiter bei 14.2 ° C

Ein Kommentar zu “15. Südharz-Marathon mit Sternfahrt – 264 KM, 2465 HM

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s